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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 05.08.2004

I, Robot

Die Schöpfung begehrt gegen den Schöpfer auf

Die Angst ist so groß wie die Utopie: Wird die Menschheit ihre eigene Schöpfung im Zaum halten können? Eine Frage für unzählige Filme, jüngst "Matrix" und "T3", und besonders eindrucksvoll hat Stanley Kubrick den kritischen Moment des Kippens in "2001" inszeniert: Zwei Astronauten glauben, Hal, das Computerhirn ihres Raumschiffes, habe einen Defekt und wollen es abschalten - doch der Rechner wehrt sich mit allen Mitteln.

Von humanoiden Robotern handeln die Geschichten in Isaac Asimovs Zukunftsbuch "I, Robot" von 1950. Jedes Kapitel beschreibt eine neue Entwicklungsstufe von Maschinenkreaturen und die möglichen Tücken, die ihre immer größeren Fähigkeiten und ihr immer ausgeprägteres Bewusstsein für die Menschen mit sich bringen.

In der Verfilmung von Alex Proyas ("The Crow") sind davon nur das Grundthema, drei Grundregeln, nach denen Roboter immer das Wohl des Menschen über alles stellen müssen, sowie die Namen der Akteure geblieben. Ansonsten hat man auf ein bewährtes Strickmuster gesetzt: Eine Roboterfirma gerät außer Kontrolle, und nur ein aufgeweckter Held kann die Menschheit retten. Man kann den Filmemachern also vorwerfen, den Titel für konventionelles Mainstream-Kino missbraucht zu haben - mehr aber auch nicht. Denn für sich genommen hat "I, Robot" alles, was so ein Film braucht: Den kauzigen Detektiv Spooner (Will Smith), der unter einer Technik- und Roboterphobie leidet, einen spannenden Verschwörungsplot, aufwändige Tricks und gute Gags - als der Chef der Roboterfirma die Sicherheit preist, niest Spooner: "Sorry, ich bin allergisch gegen Bullshit!"

Will Smith, wie so oft ein wenig zu jung, füllt die zum Klischee geronnene Rolle des unbequemen Cops mit Leben. Dabei hilft ihm die ausgeklügelte Anlage im Drehbuch, denn er hat insgeheim ein weit intimeres Verhältnis zur Robotik, als ihm lieb ist.

In einem düsteren urbanen Umfeld untersucht er den Mord an dem Roboter-Ingenieur Lanning, anscheinend begangen von einem Roboter - Vatermord? Natürlich glaubt kein Mensch dem Spinner Spooner, den nun ständig Roboter angreifen, unter anderem eine riesige Abbruchmaschine, die ein ganzes Haus demoliert. Auch wenn nicht jede Verfolgungsjagd taufrisch wirkt und der Showdown bemüht daherkommt (300 übermenschliche Roboter gegen Will Smith) - die Illusion funktioniert.

Die Roboter, die so viel mehr können als ihre Schöpfer, laufen auf zwei Beinen, reden und gestikulieren, und sie bewegen sich nicht in einem Fantasie-Szenario, sondern in einem nur moderat modernisierten Stadtbild, wie wir es gut kennen. Diese Nähe zur Gegenwart und zu uns selbst erzeugt ein mulmiges Gefühl, wie man es im Kino nicht oft erlebt.
 

Bernd Haasis

05.08.2004 - aktualisiert: 05.08.2004 10:06 Uhr

 


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