Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 12.08.2004
Wenn der Richtige kommt
Mannheim-Adana und zurück
Woher hast du die Frau?", will der Familienclan wissen. "Sie kam aus dem Feld", ist Mustafas simple Antwort. Paula taucht in dem türkischen Dorf auf wie eine Erscheinung, und seine Verwandten und die frisch angetraute Ehefrau sind mit seiner Erklärung ganz und gar nicht zufrieden. Mustafa schickt Paula gesenkten Hauptes wieder weg. Sie trägt es mit Fassung. Er war dann halt doch nicht "der Richtige". Sie hat sich geirrt. So einfach ist das.
Der Weg dahin war allerdings nicht ganz so einfach. Paula, 30-jährige Reinemachefrau, hat ihr sicheres Leben in Mannheim verlassen, um ihre vermeintlich große Liebe zurückzuholen, ihre Ferien dafür geopfert und viel Geld für die Reise nach Adana ausgegeben. Kennen gelernt hat sie Mustafa an ihrem Arbeitsplatz, einem Einkaufszentrum. Er war dort Sicherheitsmann. Paulas Welt, die bislang aus Arbeit, viel Einsamkeit und wenigen Beziehungen bestand, etwa zu einer verarmten, alkoholsüchtigen Adligen, wird aufregend. Sie flirtet, unbeholfen, weltfremd. Und Mustafa kann sie leiden, vertreibt sich mit ihr die Pausen. Bis sein Vater ihn in die Türkei schickt, auf dass er endlich heirate und "richtig" arbeite.
Nach "Schultze gets the Blues" ist dies das zweite deutsche - und hier auch schweizerische - Highlight des Jahres. Dieser Film hat eine ganz eigene Sprache, ein ganz eigenes Thema, und es ist so außergewöhnlich umgesetzt, dass es eine Wonne ist. Die Regisseure Hillebrand und Paulus, beide Absolventen der Ludwigsburger Filmakademie, haben ein besonderes Konzept entwickelt: Es gab weder Drehbuch noch vorgegebene Handlungen, die Schauspieler improvisierten komplett, und außer den Hauptfiguren wurden alle "auf der Straße" gecastet.
Die Charaktere sind so authentisch wie versponnen, und Protagonistin Paula ist mit der gebürtigen Stuttgarterin Isolde Fischer fantastisch besetzt. Sie spielt Paula so ungewöhnlich wie rührend. Dieser Film ist mit einer dicken Portion Lebenshumor ausgestattet, alles darin ist so reduziert und natürlich, dass er fast wie ein Dokumentarfilm wirkt. Vielleicht ist er deshalb so eingängig und charmant, wie man es nicht bei vielen Spielfilmen erlebt.
Eva Maria Schlosser
12.08.2004 - aktualisiert: 12.08.2004 11:28 Uhr