Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 12.08.2004
Stealing Rembrandt
Klauen will gelernt sein
Das Leben benimmt sich manchmal, als habe es zu viele schlechte Filme gesehen. So soll "Stealing Rembrandt" die wahre Geschichte von Dänemarks dümmstem Kunstraub sein: So oder ähnlich ist alles passiert, sagen die Macher. Als ob es ein Gütesiegel für die Story sei, dass sie nicht aus realitätsnaher Fantasie, sondern aus dem Polizeibericht stammt.
Aber da es im Kino ja eh nur um Variationen einiger Grundkonflikte geht, ist der Plot nicht ganz so wichtig wie die Machart. Die hat hier Billig-TV-Standard: Laientheater-Regie, lahme Dialoge, beliebige Kamera, biederer Schnitt. Hollywood bedient sich ja nicht nur bei französischen Filmstoffen, sondern klaut auch norwegische Krimikomödien ("Kopf über Wasser") und dänische Leichenthriller ("Nightwatch"). Bei "Rembrandt" besteht kein Anlass zur Sorge: zu unentschlossen eiert der Film rum zwischen Kleinkriminellen-Klamauk, Sozialkritik und Vater-Sohn-Drama.
Die Prolo-Story von Hippie-Dad Mick und Sohn Tom, die sich nur treffen, wenn der eine aus dem Knast entlassen wird und der andere gerade eincheckt, mag im Kern wahr sein. Doch wie sie hier erzählt wird, das ist exakt so banal, dröge und langweilig wie das wahre dänische Loser-Leben. Da sollen die beiden, bisher nur als Schrottklauer tätig, für einen reichen Herrn ein Familienporträt aus dem Museum mitgehen lassen. Im Katalog schön angekreuzt. Zwischen zwei Abbildungen. Klar, dass sie das Kreuzchen aufs falsche Bild beziehen - und ungewollt Dänemarks größten Kunstraub aller Zeiten begehen. Fortan - mit der China-Mafia und einem Kommissar-Wallander-Verschnitt auf den Hacken - zieht sich die Handlung zäh unter dem Motto: Wie wird man einen Rembrandt wieder los?
Das hört sich besser an, als es in der aalglatten deutschen Synchro rüberkommt. "Du hast doch dieses Rambo-Gemälde ...?", ist da noch einer der brillanteren Gags. Dazu Nebenfiguren aus dem Klischeefundus: Computer-Freak Jimmy, dicklich, unrasiert, bestellt laufend Pizza, die Schlampe des Möchtegern-Gangsters heißt Trine und sieht auch so aus, der Kapitalist feist und oberschichtschnöselig. Und über allem eine Musiksoße, die in nervtötender "American Beauty"-Manier vor sich hin gluckert. In Dänemark sei das ein Kinoerfolg gewesen. Na ja!
Peter Kreglinger
12.08.2004 - aktualisiert: 12.08.2004 11:54 Uhr