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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 02.09.2004

Die Kühe sind los

Tier liebt Farm

Der Autor Milan Kundera schrieb einmal, der Kitsch sei wie zwei nebeneinander fließende Tränen der Rührung. Die erste Träne besagt: Wie schön sind doch auf dem Rasen rennende Kinder. Die zweite besagt: Wie schön ist es doch, gemeinsam mit der ganzen Menschheit beim Anblick dieser Kinder gerührt zu sein. Erst die zweite macht den Kitsch zum Kitsch. Ersetzen Sie nun einfach die Kinder durch niedliche Tiere wie Ferkel, Küken, Pferde, die singend durch einen Zeichentrickfilm tollen, und sie haben den Plot von "Die Kühe sind los" erfasst.

Natürlich passiert nicht nur Anrührendes, sondern auch vordergründig Humoriges in dieser Story über eine Schar menschelnder Tiere, die ihre geliebte Farm vor dem Verkauf an den bösen Rinderzüchter Alameda Slim retten wollen (Orwell wird sich im Grabe umdrehen). Doch dem zu Grunde liegt immer die rührselige Mär vom Sieg des echt Guten über das echt Böse.

Leicht daneben liegt Kundera also, wenn er meint, der Kitsch verleugne, so wörtlich, "die Scheiße", also das Unangenehme, das Schlechte. Gerade in der klaren Trennung zwischen Gut und Schlecht gedeiht er. "Die Kühe" sind das beste Beispiel dafür: Slim schlecht, Tiere gut. Es gibt Kinderfilme mit ambivalenteren Figuren.
 

Jörg Scheller

02.09.2004 - aktualisiert: 02.09.2004 10:58 Uhr

 


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