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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 09.09.2004

In deinen Händen

Hinter Gittern

Gottesehrfurcht ist anderswo. Nicht in dem Frauengefängnis, wo der Drogenhandel floriert und die Hierarchiestrukturen klar sind. Hier tritt die Pfarrerin Anna ihre erste Stelle an, sie ist neugierig, will den Insassinnen helfen, mit ihrer Schuld fertig zu werden. Und während die verhärmte Frau unbeholfen versucht, Beziehungen aufzubauen, sich eine verbotene Bande zwischen der verschlossenen Kate und einem Gefängniswärter anbahnt, da geht für die Pfarrerin im Privaten ein fast vergessener Wunsch in Erfüllung: Sie wird schwanger. Allerdings stellt sich heraus, dass das Kind womöglich nicht gesund zur Welt kommt.

Das ist harte Kost, was die dänische Regisseurin Annette K. Olesen in ihrem Film über Schuld und Sühne, um Moral und Glaubensverlust ihren Zuschauern serviert. Aber der moralische Zeigefinger wird in dem Drama, das auf der diesjährigen Berlinale gezeigt worden ist, nicht erhoben. Krankenhäuser und Gefängnisse sind die Schauplätze - das ist Tristesse im Breitbandformat, die nie richtig ausgeleuchtet wird. Olesen demontiert im Verlauf ihre Heldin und deren Berufung. Soll sie sich auf die Gefangene Kate einlassen, der übersinnliche Fähigkeiten nachgesagt werden? Soll sie sich als Pfarrerin, als werdende Mutter einer Kindsmörderin anvertrauen? Es gibt viele Fragen, aber keine Wunder. So fragt sich Anna am Ende vielleicht selbst: Und wo bitte schön ist da der liebe Gott? Sie weiß es nicht mehr.
 

nja

09.09.2004 - aktualisiert: 09.09.2004 11:34 Uhr

 


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