Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 09.09.2004
Kleinrupppin forever
Der Privatstaat
Wenn die Ostalgiewelle rollt, spült sie mitunter allerhand unangenehme Erinnerungen an die DDR aus dem kollektiven Gedächtnis. Ein wenig ist das auch in Carsten Fiebelers "Kleinruppin forever" der Fall. Vielleicht sogar gewollt. Denn erklärtes Ziel des aus der DDR stammenden Filmemachers ist ja, zu zeigen, dass dort nicht nur überwacht wurde, sondern auch gelebt.
Fiebelers Geschichte spielt in den 80er Jahren. Sie handelt von dem verwöhnten westdeutschen Architektensohn Tim, der bei einer Klassenfahrt in die DDR seinem Zwillingsbruder Ronnie begegnet, von dessen Existenz er bislang nichts wusste. Durch einen Trick gelingt es dem Ost-Zwilling, statt seines Bruders in die BRD auszureisen. Tim sieht sich ungewollt mit einer neuen Lebenswirklichkeit konfrontiert.
Doch nicht nur auf Stasi-Spitzel trifft er, sondern auch auf eine Jugendbewegung, die anders als im Westen den Luxus erfährt, mit ihrer rebellischen Attitüde tatsächlich Reibungspunkte zu finden. Die gerade angesichts eines totalitären Regimes die raren Freiheiten und ihre Sexualität intensiver erlebt. Natürlich wohnt auch diesem Film ein verklärendes Moment inne. Doch seinem Ziel, das Private im Politischen zu zeigen, wird Fiebeler gerecht. Jörg Scheller
nja
09.09.2004 - aktualisiert: 09.09.2004 11:36 Uhr