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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 16.12.2004

Ocean's Twelve

Wenn schon unernst, dann bitte richtig

Beim Remake des Krimiklassikers "Ocean"s Eleven" setzten sich Steven Soderbergh und seine Schauspielerfreunde dem Verdacht aus, das Publikum zum Narren zu halten. Die sehr unernste Art der Darstellung sollte wohl parodistisch wirken, vermittelte aber eher den Eindruck, als hätten beim Drehen alle ganz viel Spaß gehabt. Kein Mensch nahm etwa dem viel zu jungen und viel zu smarten Brad Pitt ab, der Mittelpunkt eines Gauner-Netzwerks zu sein. Das Ergebnis: Der fein ausgedachte Coup ging in der Freizeitstimmung der Akteure unter.

Umso erstaunlicher ist die Fortsetzung geraten. Soderbergh und Konsorten haben den Bogen noch ein bisschen weiter überspannt - der Krimi ist nur noch eine beiläufige Farce, die Charaktere werden zu Karikaturen ihrer selbst. Und siehe da: Dieses Mehr an Absurdität macht "Ocean"s Twelve" ausgesprochen vergnüglich.

Die Gauner um Danny Ocean (George Clooney) und Rusty Ryan (Brad Pitt) bekommen Besuch von Tery Benedict (Andy García), dessen Casino sie in Teil eins um etliche Millionen erleichtert haben. Der ist übel gelaunt und möchte sein Geld plus Zinsen zurück - astronomische 97 Millionen Dollar. Hektisch fliegen die Gauner nach Europa, um in Amsterdam einen Coup zu landen. Doch sie bekommen zwei Probleme: Erstens ist Rustys Ex Isabel Lahiri (Catherine Zeta-Jones) Polizistin und eifrig am Ermitteln, zweitens kommt ihnen ein französischer Meisterdieb namens Nightfox (Vincent Cassel) in die Quere, der sie zu einem Wettstreit herausfordert.

Die ausgeklügelten Raubzüge streift Soderbergh nur, sie finden weit gehend in Rückblenden statt oder in der Rekapitulation der Ermittler. Im Mittelpunkt steht allein das Starensemble, aus dem er diesmal alles herausgekitzelt hat. Da lebt jeder in seinem eigenen Film, da hagelt es Gags am laufenden Band, da passiert eine Panne nach der andern. So chaotisch ist dieses Feuerwerk, dass sich Details hinterher schwer wiedergeben lassen. Nur ein Beispiel: Der Schlangenmensch wird zur Tarnung in eine Reisetasche verfrachtet, die dann am falschen Flughafen einsam auf dem Gepäckband ihre Runden dreht.

Als alles aus dem Ruder läuft, wird improvisiert. Danny Ocean"s Frau Tess (Julia Roberts) muss einspringen und sich als Julia Roberts ausgeben, um bei einer Privatführung den Diebstahl durchzuziehen. Eine hysterische Julia Roberts als ihr eigenes Double, Bruce Willis als er selbst, der sie im Hotel erkennt, aber nicht merkt, dass sie es gar nicht ist - etwas so herrlich Absurdes ist lange nicht mehr gedreht worden.

Die europäischen Schauplätze - Amsterdam, Rom, Paris, Comer See - bringen den Haufen durchgeknallter Amerikaner nur noch besser zur Geltung, und Soderbergh streift auch die Szenerie eher beiläufig: Der Eiffelturm spiegelt sich nur kurz in Brad Pitts Sonnenbrille, allein dem arroganten Franzosen gönnt der Regisseur den atemberaubenden Blick von seiner Villa auf den See.

Die Bilder, die Schnitte und die Musik sind angelegt wie eine Cop-Serie der 60er Jahre, mit allen Sprüngen und logischen Fehlern, die bei dem hier vorliegenden Grad an ironischer Stilisierung aber überhaupt nicht stören. Wir lernen: Wenn schon unernst, dann bitte richtig.

Was dem Zuschauer bleibt, ist ein breites Grinsen, der Wunsch, den Film noch einmal zu sehen, um alle Anspielungen mitzukriegen, und Erkenntnisse wie diese: "Ein Problem ist eine getarnte Chance." Das hat Soderbergh selbst bewiesen - das Problem von "Ocean"s Eleven" ist im zweiten Teil zum Erfolgsfaktor geworden.
 

Bernd Haasis

16.12.2004 - aktualisiert: 16.12.2004 13:48 Uhr

 


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