Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 23.12.2004
Oh Happy Day
Kraft des Gesangs
Eher sporadische Kirchgänger verweisen gern, wie trübsinnig hiesige Kirchenlieder daherkämen - im Vergleich zum mitreißenden Rhythmus und der religiös-ekstatischen Ausgelassenheit amerikanischer Gospelgesänge. "Oh Happy Day" bedient sich lustvoll dieses Kontrasts: Der Kirchenchor im dänischen Dorf dümpelt vor sich hin, der Dirigent wechselt, ein Jugendtraum, zum Kopenhagener Knabenchor.
Hausfrau Hannah (Lotte Andersen) geht derweil mit Schwägerin Grethe (Ditte Gråbøl) zum Gospelkonzert und erlebt eine spirituelle Erweckung. Und weil sie im euphorisierten Zustand auf dem Nachhauseweg mit unbeleuchtetem Fahrrad vor einem Bus hergondelt, fährt selbiger in den Graben. So kommt es, dass Chorleiter Moses Jackson (Malik Yoba) seine Blessuren in der Klinik auskurieren muss - um in der Rehabilitationsphase den Chor zu übernehmen und der verhuschten Provinzmaus Hannah den Weg zum erfüllten Leben weisen zu können.
Man merkt schon: Was Regisseurin Hella Joof da erzählt, ist ein spirituell-romantisches Märchen, ins Werk gesetzt mit viel Gefühl fürs richtige Casting - der Chor als Querschnitt durchs dänische Volksgefüge. Weil die Kraft des Gesangs für Moses Jackson im Glauben wurzelt, stellt er den singenden Schäfchen Fragen, die manchen nachdenklich machen. Und weil alles mit dänischem Trockenhumor garniert wird, ist es mit Herz und Rhythmus genau der richtige Festtagsfilm.
Peter Kreglinger
23.12.2004 - aktualisiert: 23.12.2004 11:10 Uhr