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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 20.01.2005

Nine Songs

Misslungen

Fasziniert von den expliziten Sexszenen in Michel Houellebecqs Skandalroman "Plattform" habe Michael Winterbottom darüber nachgedacht, warum die Literatur dies erlaube, der Film jedoch nicht. Das Resultat ist nun im Kino zu bewundern - oder besser: zu begaffen. Denn wer auf die abgründige Zivilisationskritik eines Houellebecq oder den spröden Realismus früherer Werke Winterbottoms (etwa "Wonderland" von 1999) hofft, wird bitter enttäuscht.

Zwar werden die titelgebenden Songs von Bands wie Franz Ferdinand oder Primal Scream sowie mindestens ebenso viele Kopulationsszenen durch die pseudo-tiefschürfende Rahmenhandlung einer Polarexpedition konterkariert, doch als Metapher für die Vereisung zwischenmenschlicher Beziehungen ist das in etwa so abgelutscht wie manches andere in diesem Film.

Und man fragt sich, um im Bild zu bleiben, ob der Film eigentlich von vornherein auf nur 69 Minuten angelegt war oder, anders als manches, was gezeigt wird, beschnitten wurde. Dabei könnte es sich allenfalls um Dialogszenen handeln, denn Sex und Rock "n" Roll zeigt dieser sehr misslungene Film nun wirklich genug.
 

Tilman Weigele

20.01.2005 - aktualisiert: 20.01.2005 13:36 Uhr

 


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