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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 17.02.2005

Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich

Alle mal durchlockern

Es gab einiges zu schmunzeln, als Ben Stiller zum ersten Mal in der Rolle der männlichen Krankenschwester Gaylord Fokker auftrat, denn sein angehender Schwiegervater Jack Byrnes (Robert de Niro), knallharter CIA-Macho, Kontroll- und Überwachungsfreak, machte ihm das Leben zur Hölle. In der Fortsetzung von "Meine Braut, ihr Vater und ich" bekommt Byrnes es nun mit den alten Fokkers zu tun, die exakt das Gegenteil dessen sind, was sein psychopathisches Weltbild vorgibt: Bernie (Dustin Hoffman) ist ein aufgeschlossener Althippie und Hausmann, Roz (Barbra Streisand) verdient das Geld - als hormonvibrierende Sexualtherapeutin.

Ein Feuerwerk an Gags wird da abgebrannt, aber nur wenige zünden richtig. Dafür wird kräftig unter die Gürtellinie gefasst: Der Fokkersche Hund pimpert das Bein der distinguierten Mrs. Byrnes, Gaylords liebevoll im Album archivierte Vorhaut fällt aus Versehen ins Fondue und besagter Hund ins Chemie-Klo des Byrnesschen Wohnmobils. Und Jack Byrnes" Manie, die sich in der beinharten Erziehung seines Enkels Little Jack manifestiert, wirkt beim zweiten Aufguss weit weniger frisch als beim ersten.

Dank der ausgeprägten komödiantischen Fähigkeiten der Schauspiel-Routiniers und der professionellen Machart - Mainstream-Filme aus Hollywood haben ja fast immer eine gewisse handwerkliche Grundqualität - plätschert der Streifen trotzdem unterhaltsam vor sich hin und reizt bisweilen sogar zum Lachen.

Leider verschenkt er dabei sein hochaktuelles Thema: Unübersehbar spiegelt sich im Zusammenprall der Byrnes mit den Fokkers die tiefe Spaltung der amerikanischen Gesellschaft in Erzkonservative und Liberale wider, die den Präsidentschaftswahlkampf 2004 geprägt hat und weiter andauert. Zwar werden Widersprüche angetippt, etwa der zwischen Überwachung und Freiheit, aber allenfalls oberflächlich; und dass die bei jeder Gelegenheit lautstark kopulierenden Fokkers die verspannten Reaktionäre am Ende knacken, indem sie sie davon überzeugen, es doch auch mal wieder zu tun, hat mit feinsinniger Satire rein gar nichts zu tun.

Dazu fehlte den Machern aber offenbar der Mut, und so bleibt es beim plakativen Schenkelklopfen und bei der banalen Vision von einer Welt, die so schön sein könnte, würden sich alle bloß mal ein bisschen durchlockern.
 

Bernd Haasis

17.02.2005 - aktualisiert: 17.02.2005 13:48 Uhr

 


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