Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 17.02.2005
Verschwörung im Berlin-Express
Lange nicht mehr so wenig gelacht
Ein scharfes Schwert ist die Ironie, doch schlägt es oft ins Leere, wenn das Ironische nicht verstanden wird. Zwar hat der Regisseur Peter Greenaway einmal gesagt, die Mehrheit habe immer Unrecht - aber Greenaway ist Engländer und als solcher besonders humorbegabt. Bei den Deutschen ist immer noch viel Schenkelklopfen im Spiel, sie brauchen Gebärdensprache als Signal. Sie sind damit allerdings nicht allein: Auch in Schweden geht mancher Witz daneben.
"Die Verschwörung im Berlin-Express" zum Beispiel soll eine schwarze Komödie sein. In sepiabraunen Bildern reisen da Menschen in der Nachkriegszeit mit dem Zug von Stockholm nach Berlin. An Bord: Ein Autor, der helfen will, aber ständig andere verletzt, ein Arzt, der seine Frau umbringen möchte, ein Paar gealterter Schwuler in der Krise, eine Horde verwahrloster Flüchtlinge, zwei Nonnen sowie ein pedantischer Schaffner und allerhand Statisten. Die toben munter durch Slapstick-Einlagen und übertreffen nur selten das Niveau der Torte im Gesicht. Spätestens wenn die Obernonne fluchend den Glauben verliert, landen sie bei dem, was früher "Pennälerhumor" genannt wurde.
Bernd Haasis
17.02.2005 - aktualisiert: 17.02.2005 13:53 Uhr