Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 03.03.2005
Hitch - Der Date-Doktor
Amor zieht alle Register
Viele unscheinbare Kerle sind unsterblich verliebt in Klassefrauen, an die sie nie herankommen - es sei denn, sie bestellen einen "Date-Doktor", der ihnen beibringt, wie man sich der Unerreichbaren erfolgreich nähert. Ein Beispiel: die Angebetete durch einen Trick von ihrem kleinen Hund trennen und dann so tun, als habe man diesen unter Einsatz des eigenen Lebens vor dem sicheren Tod im Straßenverkehr gerettet.
Alex "Hitch" Hitchens (Will Smith) kennt sämtliche Kniffe und verhilft hoffnungslosen Männern zur Traumpaarung. Doch eines Tages gerät er selbst an eine harte Nuss: die kaltblütige Journalistin Sara (Eva Mendes), die am liebsten nonstop arbeitet und deshalb beschlossen hat, nie wieder eine feste Bindung einzugehen. Hitch zieht alle Register, doch Sara findet heraus, womit er seine Brötchen verdient - und sie hat eine Freundin, die an einen Macho-Miesling geraten ist, der sich auf Hitch beruft. Fortan ringen beide mit harten Bandagen: Sie möchte ihn öffentlich bloßstellen, er sie davon überzeugen, dass er keine Kuppelei betreibt, sondern mit besten Absichten auf Amors Spuren wandelt.
Mit leichter Hand haben Regisseur Andy Tennant und Autor Kevin Bisch inszeniert, was viele Menschen bewegt: Immer mehr holen sich Hilfe bei Liebesvermittlern, gehen in Turtelchats im Internet oder zu Gruppentreffen in Lokale, wo Männer fünf Minuten Zeit haben, eine Frau verbal für sich einzunehmen. Dass Hitch ausgerechnet in eine solche Szene hineinplatzt, um sich Sara zu erklären - ein komödiantischer Volltreffer.
Wieder einmal ist es Hollywood gelungen, ein brisantes Thema auf gewitzte Art sanft zu besetzen, zudem streift der Film ja noch den Hunger der Medien nach spektakulären Geschichten um jeden Preis. Will Smith ist mit erstaunlich glaubwürdigen Dialogen ausgestattet und das undenkbarste aller Paare gut ausgewählt: Kevin James, der schon in der TV-Serie "King Of Queens" gerne mit seinem Übergewicht kokettierte, erscheint als perfekter hoffnungsloser Fall, und er ist auch noch in seine Konzernchefin verliebt, die schönste und reichste Frau New Yorks (Amber Valetta).
So vereinfacht die Psychologie in diesem Film daherkommt - Frauen lassen sich leicht und gerne beeindrucken, nur wollen die Männer partout nicht verstehen, wie das geht -, so treffend sind die meisten Gags auf Kosten beider Geschlechter. Sehr vergnügliche Kinounterhaltung außerhalb der Schnulzenzone.
Bernd Haasis
03.03.2005 - aktualisiert: 03.03.2005 11:20 Uhr