Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 17.03.2005
Hostage
Der Leibhaftige ist inkonsequent
Endlich!", werden viele denken: Bruce Willis kehrt als Einzelkämpfer ins Kino zurück. Diesmal ist er Jeff Talley, Spezialist für Geiselnahmen und in der Zwickmühle: Eine Familie wird in ihrem Haus von drei Kerlen gefangen gehalten, die nicht wissen, dass sich im Haus eine DVD befindet, die ein Gangstersyndikat dringend braucht; selbiges entführt nun Talleys Familie, um ihn zu zwingen, ins Haus einzudringen und die DVD zu holen. Er hat die Wahl: Soll er die Geiseln gefährden oder die eigene Familie?
Willis muss wenig reden, um viel zu vermitteln. Etwa, als der Sohn der Familie in ein sicheres Versteck fliehen kann und Talley anruft; dieser lässt ihn die DVD suchen, und Willis vermittelt bavourös den schmerzhaften Zwiespalt, den Kleinen anlügen, benutzen, in Gefahr bringen zu müssen.
Was sonst noch abläuft, rechtfertigt die Freigabe ab 16: Es wird geballert, gesprengt, aus der Nähe getötet. Dabei geht es eigentlich um nichts - die drei Geiselnehmer sind frustrierte Jungs, denen die Sache entgleitet, als sich einer als Psychopath entpuppt. Der begeht ohne Skrupel alle Kapitalverbrechen bis auf eines: Er vergewaltigt die Tochter der Familie nicht - eine merkwürdige Inkonsequenz mit dünner Erklärung, wohl gespeist aus der Angst des Studios, dem Publikum zu viel zuzumuten.
Dafür darf der böse Bube am Ende, bereits von Kugeln durchsiebt, wie der Leibhaftige persönlich mit zwei Molowcocktails bewaffnet durch das spritgetränkte Haus wanken, um dann selbst in Flammen aufzugehen. Wer so dick aufträgt, muss sich nicht wundern, wenn beim Zuschauer die Illusionsblase platzt und er sich ins Affentheater versetzt fühlt.
Schade um den spannenden Plot - da hätte mehr dringesteckt. Dank Bruce Willis, der kein bisschen überziehen muss, damit man ihm den einsamen Helden abnimmt, kriegt der Film beim Showdown trotzdem noch einigermaßen die Kurve. "Endlich!", werden viele denken.
Bernd Haasis
17.03.2005 - aktualisiert: 17.03.2005 14:32 Uhr