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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 24.03.2005

Reine Chefsache

Hauptsache Rendite

Da stehen sie in den Gängen und diskutieren darüber, wie viele von ihnen wohl entlassen werden und wen es treffen wird: Die Sportzeitschrift, für die sie arbeiten, ist von einem Multi übernommen worden - und die kommen meist mit dem Sanierungsrasenmäher. Auch im wirtschaftlich gebeutelten Deutschland kennen viele Arbeitnehmer diese hysterische Angst um den Job, denn kaum eine Branche bleibt vom Kostendruck des globalen Marktes verschont.

Doch wir befinden uns in den USA, und bald bewahrheitet sich, was alle geahnt haben. Der Anzeigenleiter (Dennis Quaid) bekommt einen Chef vorgesetzt, der mit 26 Jahren halb so alt ist wie er selbst und vorher Kinderhandys verkauft hat. Dessen Auftrag: Leute entlassen, Gewinn maximieren, Synergien schaffen, zum Beispiel den hauseigenen Frühstücksflocken flotte Sportsprüche beilegen. Hauptsache Rendite - viele Unternehmen demonstrieren derzeit, welchen Stellenwert gesellschaftliche Verantwortung im Jahr 2005 noch für sie hat.

Mancher mag sich verwundert die Augen reiben, dass ausgerechnet Hollywood in Gestalt von Paul Weitz ("About A Boy", "American Pie") die Zeichen der Zeit erkennt und pointiert auf die Leinwand bringt - eingebettet freilich in eine sanfte Familienkomödie und mit einem Schauwert, den in Europa fast niemand bieten kann.

Dennis Quaid wirkt, als sei er schon immer Charakterdarsteller gewesen. Er verkörpert die gute alte Zeit, in der ein Handschlag noch etwas galt und Deals im beiderseitigen Interesse aus dem Bauch heraus abgewickelt wurden. Nachwuchsstar Topher Grace spielt den vom Erfolg berauschten Jungmanager erstaunlich tiefgründig als durchgeknallten Allmachtsfantasten, dem auf dem Weg nach oben beinahe die Menschlichkeit abhanden kommt.

Doch Weitz malt nicht schwarz-weiß - der Zusammenprall der Mentalitäten hat Folgen für beide. Und dass der Junge sich auch noch in die Tochter des Alten verliebt (Scarlett Johansson, wie meist nur mit Blicken agierend), der nicht darüber hinwegkommt, dass sein kleines Mädchen einen anderen anschaut, ist ein gut gewählter und nicht minder pointiert inszenierter Nebenkriegsschauplatz.

Das Ende ist beides: happy und doch wieder nicht. Die Zeitschrift wird dem Raubtiergehege der Globalisierung vorübergehend entzogen - und der junge Wilde läutert sich, schlägt aber jede Belohnung dafür aus. Gegenwärtiger kann ein Mainstream-Film aus Hollywood kaum sein.
 

Bernd Haasis

24.03.2005 - aktualisiert: 24.03.2005 11:31 Uhr

 


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