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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 09.06.2005

Per Anhalter durch die Galaxis

Das Universum und der ganze Rest

Wer Douglas Adams' Science-Fiction-Satire "Hitchhiker's Guide To The Galaxy" für unverfilmbar hielt, hatte gute Argumente auf seiner Seite: Das Zukunftsszenario diente lediglich als Bühne, auf der Adams die irrationale Menschheit vorführte, und die stärksten Passagen des Romans sind die, in denen er mit britischer Ironie wunderbar absurde Überlegungen anstellte über das Universum, das Leben und den ganzen Rest.

Trotzdem ist es Garth Jennings gelungen, einen Film zu machen, der in seinen besten Momenten an Werke von Monty Python oder Terry Gilliam erinnert. Das liegt zum einen daran, dass der 2001 verstorbene Adams das Drehbuch noch selbst geschrieben und den Erfordernissen einer Filmdramaturgie angepasst hat; zum anderen hat Jennings bei der Visualisierung Mut bewiesen, ohne den Kern des Stoffes zu verbiegen: Der depressive Roboter Marvin etwa ist klein und sehr rundlich, und so gehen die eigenen Bilder im Kopf - anders als bei der "Unendlichen Geschichte" - nicht verloren, sondern werden eher ergänzt.

Die irrwitzige Geschichte, die damit beginnt, dass vogonische Zerstörer die Erde pulverisieren, weil eine Hyperraumumgehung durch die Galaxis gebaut wird, hat im Film zusätzliche Wendungen. Die hässlichen wie humorfreien Vogonen etwa bekommen mehr Raum und sind mit Liebe zum Detail gestaltet wie sämtliche Ausstattung und Effekte. Atemberaubend ist die Zerstörung der Erde inszeniert, ebenso die Reise durch das Innere des Planeten Magrathea, einer riesenhaften Werkshalle, in der Planeten hergestellt werden.

Martin Freeman spielt den Erdling Arthur Dent als den Trottel, der er auch in Douglas Adams' Buch ist, gibt ihm aber genug Heldenqualität, dass die Zuschauer ihn sympathisch finden können. Mos Def gibt Ford Prefect, Autor für den "Hitchhiker's Guide to the Galaxy", der Jahre auf der Erde festsaß, als entrückten Sonderling. Und Sam Rockwell versprüht den überbordenden Wahnsinn, den Zaphod Beeblebrox - der durchgeknallten Präsidenten der Galaxis - auszeichnet.

Besonders elegant hat Jennings das Problem gelöst, die pseudo-philosophischen Auszüge aus dem "Hitchhiker's Guide"(beispielsweise Oolon Colluphids philosophische Trilogie "Where God Went Wrong". "Some More Of God's Greatest Mistakes" und "Who Is This God Person Anyway?") zu bebildern: Die Kinoleinwand wird zum Monitor des elektronischen Reiseführers der Zukunft, auf dem Adams' Bonmots, im Original very british und wortlautgetreu eingesprochen von Stephen Fry, mit lustigen Animationen unterlegt werden.

Beiläufig werden nette Details in die Handlung eingestreut, etwa wenn Ford und Zaphod einen "Pan Galactic Gargle Blaster" trinken, stärkster Drink im Universum, oder wenn das "Ravenous Bugblatter Beast of Traal", ein veritables Monster, den Vogonen als Vollstrecker der Todesstrafe dient. Ein Problem bleibt: Wie schon beim Roman wird auch im Film die deutsche Fassung nur bedingt funktionieren, weil sich der ironiegetränkte Sprachwitz kaum übersetzen lässt. Auf Englisch aber könnte dieser Streifen ein Kultfilm werden.
 

Bernd Haasis

09.06.2005 - aktualisiert: 09.06.2005 11:58 Uhr

 


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