Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 14.07.2005
Madagascar
Wenn die Steaks ausbleiben
Das Leben kann so angenehm sein. Dem Löwen Alex, dem Star im New Yorker Zoo, werden die Steaks auf dem Silbertablett serviert, und die hypochondrische Giraffe Melman lässt sich jeden Tag ausgiebig medizinisch durchchecken. Nur das lebenslustige Zebra Marty ist deprimiert, denn es kann nur noch an eines denken: die Freiheit.
Nach einem gescheiterten Ausbruchsversuch werden die Freunde zusammen mit der forschen Flusspferddame Gloria nach Madagaskar verschifft - doch die anarchistischen Pinguine, die wie eine Söldnertruppe organisiert sind, leiten den Frachter um in Richtung Antarktis. Als die vier doch noch in Madagaskar ankommen, zeigt sich, dass der degenerierte Alex schnell wieder zum Raubtier mutiert, wenn die Steaks ausbleiben.
Das neueste 3-D-Animations-Werk aus dem Hause Dreamworks ist eine nette kleine Geschichte über Freiheit und Freundschaft mit netten kleinen Gags - aber weit entfernt vom Wortwitz und der Satire eines "Shrek". Vieles wirkt bemüht, etwa die Zusammensetzung des Freundesquartetts, in dem Gloria eigentlich keine Rolle spielt. Die sehr menschliche, ewig quengelnde Löwen-Diva Alex sägt ordentlich an den Nerven, während Marty den unerschütterlichen Optimisten gibt und der desorientierte Melman sich ein ums andere Mal als lebensunfähig erweist. Die stärksten Szenen aber haben die bösartigen Pinguine und der selbstherrlich anmaßende Lemuren-König Julien.
"Madagascar" serviert familientaugliche Unterhaltung auf dem Silbertablett. Das Leben kann so angenehm sein.
Bernd Haasis
14.07.2005 - aktualisiert: 14.07.2005 12:04 Uhr